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Zur Praktikantenauswahl quer durch Russland

am 22.03.2018

„Ausländer, oder?“ fragt uns freundlich eine kleine Frau mit blauem Kittel über der Winterjacke und kommt hinter ihrem kleinen Stand mit aufgestapelten Broten hervor. „Wie haben Sie es erkannt?“ wollen wir gleich wissen. „Sie sind so schweigsam“, ist die für uns verblüffende Antwort.

Der Landwirt Josef Benker, die DaFlerin Marie und ich, die neue Programmleiterin im Russlandprogramm, stehen bei eisigen Temperaturen auf dem Markt von Voronesch. Wir haben einen freien Nachmittag und wollten uns auf dem Markt nach regionalen Lebensmitteln, aber auch Handschuhen und warmen Wollsocken umschauen, denn es ist in diesen Tagen ausgesprochen kalt in Russland. Leider sind wir spät dran und die meisten Stände, die im Freien aufgebaut sind, sind schon leer. Auch viele der kleinen Geschäfte für Fleisch, Fisch und Käse sind schon geschlossen. Das hindert unsere neue Bekannte nicht daran, uns den Markt wie eine touristische Attraktion der Stadt zu erklären. Kurzerhand lässt sie ihre wahrscheinlich längst tiefgekühlten Brote stehen und führt uns zu den noch offenen Geschäften. In einer riesigen Halle für Obst und Gemüse gibt es Äpfel, Gurken, Trockenfrüchte, Nüsse, Honig und Eingewecktes. Die Lust ist groß, die vielen oft selbstgemachten Produkte zu probieren, doch die Aussicht, dass wir morgen früh schon wieder weiter reisen und unser eh schon schweres Gepäck wieder tragen und im Zug verstauen müssen führt dazu, dass wir nur etwas frisches Obst und hausgemachten Käse einkaufen. Den lassen wir uns nach dem Spaziergang im warmen Wohnheim zum Abendessen schmecken genauso wie den von ehemaligen Praktikantinnen geschenkten selbstgemachten Whiskey.

Voronesch war schon die vorletzte Station des zweiten Teils der Auswahlfahrt. Anna Tovkalenko, Josef und ich waren vom 24.02. - 08.03.2018 in Smolensk, Velikie Luki, Orel, Saratov, Voronesch und Stavropol, um die Bewerber und Bewerberinnen ein zweites Mal persönlich zu treffen und alle Dokumente einzusammeln. Den ersten Teil der Fahrt bestritten Anna und die beiden Ehrenamtlichen Kai Schmidt und Anastasiia Strukowa vom 11.02. - 22.02.2018. Sie besuchten die Universitäten in Pensa, Ufa, Ekatarinburg, Kirov und Kazan. Insgesamt trafen wir 100 Kandidaten und Kandidatinnen und die Auswahl fiel uns oft schwer. Viele zeigten sehr großes Interesse an unserem Programm und hatten enorme Fortschritte im Erlernen der deutschen Sprache gemacht.

Trotz eines sehr engen Zeitplans, konnten wir auch etwas Kultur und Freizeit genießen. Unterstützt von Annas Übersetzungen besuchten wir im Saratower Theater die Aufführung von Puschkins „Die Hauptmannstochter“ und diskutierten mit einem Professor für Bodenkunde über die Frage, ob und wie dem Boden die notwendigen Nährstoffe für Pflanzenanbau zurückgeben werden können.

Wir trafen auch einige ehemalige Praktikanten und Praktikantinnen. Besonders schön wurde uns das Wochenende in Saratow gemacht. Ehemalige und aktuelle Bewerber und Bewerberinnen belebten die sonst kaum genutzte Küche im Wohnheim und kochten über mehrere Stunden ein 4-Gänge-Menü. Es gab also viel Raum zum Austausch und Kennen lernen.

Die Tage vergingen wie im Flug und am Internationalen Frauentag ging es dann zurück nach Berlin. Der Frauentag ist in Russland ein wichtiger Feiertag und schon in den Tagen davor sahen wir viele Plakate, die Frauen beglückwünschten. Am Tag vor unserer Abreise gab es für Anna und mich kleine Geschenke vom Internationalen Büro in Stavropol sowie eine mit Blumen und Schmetterlingen dekorierte Torte. Und auf dem Flug von Moskau nach Berlin schenkte Aeroflot sogar allen weiblichen Gästen eine kleine Rose. So wurde der Abschied so freundlich und herzlich, wie wir auch in allen Städten und Universitäten empfangen wurden. Ich freue mich auf meine nächste Fahrt im Herbst!



Berlin, 20.3.2018
Renée Somnitz


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