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Wichtiger RBB-Bericht über landwirtschaftliche 'Pseudo-Praktika' in Brandenburg

am 26.06.2019

Am 24.06.2019 erschien im rbb ein ausführlicher Bericht über ukrainische Studierende, die als Erntehelfer*innen zur Spargelernte nach Brandenburg  kommen und auf dem Papier ein „studienfachbezogenes Praktikum“ absolvieren. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass auch in anderen landwirtschaftlichen Bereichen diese 'Fake-Praktika' angeboten werden, unter anderem, um die Mindestlohnregelung zu umgehen.

Wir begrüßen es ausdrücklich, dass nun über dieses Problem, das auch uns schon seit einigen Jahren bekannt ist, medial diskutiert wird. Zeigt es doch, wie wichtig die sorgfältige Auswahl der Praktikumsbetriebe und eine umfassende Betreuung der Praktikant*innen sind, um zu verhindern, dass Praktikant*innen als reine Erntehelfer*innen eingesetzt werden.
Die ukrainischen und belarussischen Praktikant*innen in dem vom MLUL Brandenburg und der Landwirtschaftlichen Rentenbank geförderten APOLLO-Praktikantenprogramm in Brandenburg wohnen größtenteils direkt in den Familien ihrer Landwirt*innen und werden von APOLLO-Mitarbeitenden und vielen Ehrenamtlichen betreut. Ihr 4-monatiges Praktikum wird von insgesamt 11 Seminartagen begleitet. Auf den Seminaren wird  das Praktikum reflektiert, über Probleme und  fachliche Themen gesprochen sowie Exkursionen zu verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben und Institutionen organisiert. Der Verein APOLLO e.V. arbeitet dabei gemeinnützig und nicht aus kommerziellen Interessen.
Seit Einführung der Visafreiheit sind die Bewerbungen von ukrainischen Studierenden bei APOLLO e.V. stark zurückgegangen, da Erntehelferorganisationen ukrainische Studierende mit für die Ukraine hohen Lohnversprechungen locken und gleichzeitig diese Tätigkeiten oftmals als Praktikum an den Universitäten anerkannt werden. Dass der versprochene Mindestlohn in vielen Fällen beispielsweise durch Quotenregelungen unterlaufen wird, ist den meisten Studierenden im Vorfeld nicht bewusst. Es führt dazu, dass immer weniger ukrainische Studierende ein wirkliches Fachpraktikum absolvieren wollen und sich aus wirtschaftlichen Gründen für eine Erntehelfertätigkeit entscheiden. Die deutschen Behörden schauen leider in vielen Fällen nicht genau hin, ob es sich um wirkliche Praktika oder um als Praktika getarnte Erntehelfereinsätze handelt.
Wir hoffen, dass weitere mediale Berichte zu diesem Thema auch dazu führen, dass ukrainische Studierende in Zukunft besser informiert sein werden und mehr Druck auf kommerzielle Vermittlungsagenturen sowie landwirtschaftliche Betriebe ausgeübt wird, diese 'Fake-Praktika' nicht mehr anzubieten und Erntehelfer*innen faire Löhne zu zahlen.

Der Bericht zum Nachlesen: https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2019/06/Billigloehner-Spargelernte-Praktikum-Ukraine.html

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